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Naziaufmärsche in ChemnitzArsch huh, Zäng ussenander

Es ist nicht das erste Mal, dass es zu rechten Demonstrationen kommt. Aber die Qualität ist eine andere. Und Sachsen scheint ein gemachtes Nest zu sein.

© mzhuckel

Wieder einmal kam es am heutigen Abend zu Ausschreitungen von Neonazis in Sachsen, diesmal in Chemnitz. Auslöser oder Vorwand dafür war die mutmaßliche Gewalttat zweier Migranten gegen einen in Deutschland geborenen Menschen. Mehrere tausend Nazis zogen in weiten Teilen ungehindert durch Chemnitz. Die Presse musste an diversen Stellen ihre Arbeit einstellen, weil nicht mehr für ihre Sicherheit gesorgt war.

Polizei überfordert

Nazis in Chemnitz am 27. August 2018Was ist anders als bei anderen Demonstrationen? Die schiere Masse und das weiter sinkende Niveau jeglichen Anstands. Es wird die Hand zum Hitlergruß gehoben, Migrant*innen werden gejagt. Die Polizei ist nicht in der Lage, die Situation zu kontrollieren. Das wäre verständlich, handele es sich um eine spontane Ansammlung. Allerdings war es schon gestern klar, dass es auch heute wieder zu Ansammlungen der Nazis kommen würde. Der sächsische Innenminister besuchte zu diesem Anlass die Leitstelle der Polizei.

Auch Gegendemonstrant*innen waren vor Ort, jedoch deutlich in der Unterzahl.

Was tun?

Was sollten Demokrat*innen für Schlüsse aus den Ereignissen ziehen?

  • Es ist die Pflicht eines jeden Bürgers und einer jeden Bürgerin den Mund aufzukriegen. Der Großteil der Menschen in Deutschland sind keine Nazis. Der Großteil ist aber leider nicht zu hören.

  • Man ist nicht links oder gar linksradikal, wenn man gegen Nazis ist. Man ist menschlich und ein*e Demokrat*in

  • Die Beteiligung an unserer wertvollen Demokratie ist wichtiger denn je

  • Nazis sitzen bereits in Parlamenten. Macht euren Abgeordneten Druck, diese nicht stillschweigend hinzunehmen. Sie vertreten euch!

  • Jetzt!

Erich Kästner sagte 1958 in Hamburg etwas, was – von den Jahreszahlen aktuell – exakt auf den heutigen Tag passt:

Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. Das ist die Lehre, das ist das Fazit dessen, was uns 1933 widerfuhr. Erich Kästner

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