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KandidatenwahlKandidatenauslese für die Bundestagswahl

Zurzeit werden die Direktkandidaten für die Wahl auserkoren. Das geschieht nicht sehr demokratisch.

Vor jeder Bundestagswahlen gilt es nicht nur Listenkandidaten innerhalb der Parteien zu finden, sondern auch Direktkandidaten für die 299 deutschen Wahlkreise. Am Ende setzt sich der Bundestag – im Idealfall – aus 299 Direktkandidaten und 299 Listenkandidaten zusammen, die den neuen Bundestag bilden. Die Listenkandidaten werden auf Parteitagen auserkoren, je höher der Listenplatz ist, desto wahrscheinlich ist es, in den Bundestag einzuziehen. Nicht wenige Abgeordnete werden auch doppelt abgesichert und kandidieren für einen Wahlkreis und sind hochrangige Listenkandidaten. In letzter Zeit liest man dazu vermehrt Tweets wie diesen:

buntes

Nun müssen aber innerhalb der Partei erst einmal die Kandidaten ausgewählt werden, die sich zur Wahl stellen sollen.

Konzentrierte Versammlung mit eindeutigem Ergebnis: Ich wurde mit 100 % der abgebenden Stimmen nominiert, für die CDU 2017 in den Wahl… …kampf in Nordthüringen zu ziehen. Ich nehme das Votum in Demut und mit dem Willen zur Verteidigung des Direktmandates an. Glück auf!

Manfred Grund via Twitter

100%1. Und es handelt sich nicht um einen Einzelfall eines besonders beliebten Lokalpolitikers2.

erhielt 97,1 % Zustimmung für erneute Bundestagskandidatur.

Er kann sich großer Unterstützung der CDU sicher sein.

Tweet von Erwin Rüddel

Auch in den Reihen der SPD gibt es Kandidaten mit Ergebnissen, die sich nordkoreanischen Verhältnissen nähern3:

Mit 97% zum Bundestagskandidat der @spd_dortmund gewählt – vielen Dank

Marco Bülow

Solche Ergebnisse gibt es in allen Bundestagsparteien. Und das ist nichts schlechtes, wenn ein Kandidat ein gutes Ergebnis erhält. In aller Regel beruht dieses fantastische Ergebnis aber weniger auf der Beliebtheit und/oder Kompetenz einer Politikerin oder eines Politikers, sondern auf der Tatsache, dass es nur einen Kandidaten gibt. In zahlreichen Wahlkreisen gibt es nur einen Kandidaten für das Direktmandat. Mit diesem Hintergrund ist ein Ergebnis von 97 % plötzlich schon nicht mehr so gut, heißt es doch, dass sich Mitglieder direkt gegen den einzigen Kandidaten gestellt haben. Vielleicht auch, weil ihnen die Wahl fehlt.

Für eine funktionierende innerparteiliche Demokratie bedarf es einer anderen Vorgehensweise, einer Wahl. Denn für’s Abnicken wird es kaum neuen Menschen geben, die in einer Partei eintreten. Heute tritt man in eine Partei ein, wenn man glaubt, dass man etwas bewirken und mitwirken kann.

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